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100 Jahre Gasser Felstechnik AG. Innovation aus Erfahrung.

Zum 100. Jubiläum

Von Pascal Limacher

Vom Dorfbaumeister zur marktführenden Spezialunternehmung in der Felstechnik. Die hundertjährige Historie der Gasser Felstechnik AG ist nahe mit der Gemeinde Lungern und ihrer gebirgigen Umgebung verbunden. Der Fels prägte die Firma und die Menschen seit Beginn. Das ist naheliegend. Und doch vermag die Geschichte zu überraschen: Wie konnte das KMU mit Wachstumsraten von über 20% ins neue Jahrtausend starten, und wieso zählt man heute zu den 100 grössten privaten Arbeitgebern der Zentralschweiz?

Die Anfänge am Fels (Folge 1/3)

Fels in der DNA

Im Jahre 1922 legte Karl Gasser-Meier, genannt Lemäkari, in Lungern den Grundstein einer wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte. Das von ihm als Einzelfirma gegründete Baugeschäft sollte sich in den kommenden 100 Jahren zu einem national führenden Spezialunternehmen entwickeln. Erstmals aber war Gasser der Dorfbaumeister: Wohnhäuser, Ställe, aber auch erste anspruchsvolle Tiefbauarbeiten prägten die 1920er- Jahre. Auch die rege Alpwirtschaft sorgte für eine Vielzahl baulicher Ansprüche. Doch die Winter damals waren lang und die Aufträge in den kalten Monaten rar. Schneeräumungen am Brünigpass stellten willkommene Winterarbeiten dar. So hielt sich die kleine Firma über Wasser und sorgte in Lungern bei einigen Familien für warme Mahlzeiten. Die Obwaldner Gemeinde auf 750 m ü. M. ist von Bergflanken umgeben, von welchen Wildbäche und Lawinen niedergehen. Deshalb wurden die Arbeiten der Baufirma auch seit Beginn von Felsen geprägt und liessen eine besondere Kompetenz entstehen.

Felsabbau, 1954
Felsabbau, 1954

Wer Fels nach den menschlichen Bedürfnissen formen will, findet in Sprengstoff einen effizienten und präzisen Weg. Die 1940er- und 1950er-Jahre brachten erste Sprengeinsätze: An der Grimsel am Fels, für die Frutt-Werke im Fels. Die früheste Sprengbaustelle war aber wohl der Ausbruch des Luftschutzkellers unter der Lungerer Kirche. Zwei Mitarbeiter hatten zuvor bei der CKW im Stollen gearbeitet und dort das Sprengen erlernt. Sprengtechnik sollte sich als Konstante durch die Unternehmenshistorie ziehen.

Oberhalb Giswil, 1960
Bedrohlicher Felsblock oberhalb von Giswil, 1960

Schutz vor Naturgefahren

Als 1959 ein instabiler Felsvorsprung die Brünigbahn zwischen Kaiserstuhl und Lungern bedrohte, war Sprengwissen gefragt. Der 30 bis 40 Kubikmeter mächtige Felsblock überragte die Bahnlinie bedrohlich und wies einen vier Meter langen Riss auf. Zwei Jahre zuvor hatten einige Hundert Meter weiter oben Felsmassen das Trassee verschüttet. Dieses Risiko wollten die Verantwortlichen nicht mehr eingehen und beauftragten Baumeister Karl Gasser mit der Sprengung des Felsvorsprungs. Dabei handelte es sich für die Firma wohl um die erste Sicherheitssprengung gegen Felssturzrisiken – aus heutiger Sicht ein zentraler Meilenstein.

Gründer Karl Gasser sen. beim Laden der Sprenglöcher über dem Trassee der Brünigbahn, 1959
Gründer Karl Gasser sen. beim Laden der Sprenglöcher über dem Trassee der Brünigbahn, 1959

In der Nacht vom Montag, 16. November 1959, war Sprengtermin. Gassers Männer bohrten auf dem Felsvorsprung am Seil gesichert 13 je vier Meter tiefe Sprenglöcher. Diese wurden mit rund 15 Kilogramm patroniertem Altorfit-Sprengstoff geladen, verteilt auf 39 Ladungen. Jedes Bohrloch enthielt drei Ladungen auf verschiedenen Höhen, welche mit Knallzündschnur verbunden wurden. Die Fahrleitung musste in nächtlicher Arbeit heruntergenommen und die Schienen mit Holzschwellen abgedeckt werden. Um ca. 23.25 Uhr wurde die nähere Umgebung gesperrt und der Strassenverkehr über das linke Lungererseeufer umgeleitet. Kurz vor Mitternacht erfolgte die Zündung. «Eine grosse Zuschauermenge war Zeuge des sensationellen Ereignisses», schrieb die Zeitung Obwaldner Volksfreund. Alles verlief glatt. Bereits am nächsten Morgen konnte der Bahnverkehr wieder fahrplanmässig aufgenommen werden. Wie stark dieses Know-how das Unternehmen später prägen sollte, ahnte damals noch niemand – weder Gründer Karl Gasser, der auf dem Headerbild beim Laden der Sprenglöcher zu sehen ist, noch sein Sohn Karl jun., der die Geschäftsleitung drei Jahre zuvor übernommen hatte.

Ein Zeitungsbericht zur Sicherheitssprengung vom 16. November 1959
Ein Zeitungsbericht zur Sicherheitssprengung vom 16. November 1959

Wie ein Start-up

Neue gesetzliche Regulierungen der Sprengstoffnutzung verlangten in den frühen Achtzigern nach Professionalisierung. Das verlieh dem Baugeschäft Gasser Schwung: 1982 wurde die Abteilung Felsabbau gebildet, der strategische Schritt zur heutigen Gasser Felstechnik. Und eine Eigenheit der Firma kam hinzu: Seit Gründung wurden mit primär einheimischen Mitarbeitenden und einer fachbezogenen Ausbildung gute, solide Bauleistungen angestrebt. Davon profitierte die Firma, da zum Beispiel bei Umbauten von militärischen Untertaganlagen nur Schweizer Staatsbürger eingesetzt werden durften. Grosse Baukonzerne setzten stärker auf Gastarbeiter, sodass Gasser dort oft als Subunternehmer beigezogen wurde. Es folgten grösser und komplexer werdende Aufträge im Tunnelbau und in Steinbrüchen.

Als Thomas Gasser 1992 die Leitung übernahm, zählte die Firma rund 60 Mitarbeitende. Er forcierte die Spezialisierung mit Fels- und Hangsicherungen sowie Schacht- und Stollenbau energisch, bald war das weisse G auf blauem Grund schweizweit zu sehen. Dabei konnte er auf Jahrzehnte an Erfahrung von langjährigen Mitarbeitenden bauen. Der Familienunternehmer verstand es, Menschen für seine unternehmerischen Ideen zu begeistern, und etablierte gleichzeitig seinen Ruf als umsichtigen Arbeitgeber. Die rasche Verschiebung der Geschäftsfelder vom Hochbau hin zur Felstechnik stellte für die Mitarbeitenden eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. «Seid flexibel, lernwillig, anpassungsfähig und offen für Neues. Nur so packen wir alle miteinander die Chancen, die sich uns bieten», forderte Thomas Gasser 1997 in der noch jungen Hauszeitung Felssplitter. Es wurde – und wird weiterhin – stark in die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden investiert. Jeder denkt unternehmerisch mit. «Das Arbeiten in selbstständigen Gruppen mit einem ganzheitlichen Leistungsauftrag muss in der Firma Gasser zur Norm werden», präsentierte Thomas Gasser 1998 seine Vision «Gasser 2000.1», welche das KMU ins neue Jahrtausend führen sollte. Seine Forderungen nach agilem Denken im traditionellen Baugeschäft gingen auf.

«Seid flexibel, lernwillig, anpassungsfähig und offen für Neues.»

Thomas Gasser, 1997

Mit Innovation an die Spitze

Ein modernes Qualitätsmanagementsystem hielt im Unternehmen Einzug, welches 1996 nach ISO 9001 zertifiziert wurde – als erste Bauunternehmung der Urschweiz. Der Baurezession der späten Neunziger wurde mit der mutigen Nischenstrategie und gezielten Investitionen erfolgreich begegnet. Mit einem enormen Umsatzsprung von über 20 % startete unter dem neuen Firmennamen Gasser Felstechnik AG ins Jahr 2000. Noch im selben Jahr wurde von der Handelskammer Zentralschweiz der Innovationspreis verliehen. Das Wirtschaftsmagazin Bilanz führte Gasser mehrfach unter den 50 Top-KMU der Schweiz. Zwischen 2004 und 2009 verdoppelte sich der Umsatz von knapp 30 auf über 60 Millionen CHF. Und im April 2008 erreichte man den zweiten Platz des «Swiss Venture Club»-Unternehmerpreises.

Verleihung SVC Unternehmerpreis, 2008
Verleihung SVC Unternehmerpreis, 2008

Die Phase wurde begleitet von der Eröffnung eines modernen Betriebscenters und von Grossprojekten in allen Kernkompetenzen, auch internationale Aufträge für spezielle Problemstellungen am Fels mehrten sich. Pragmatische Engineering-Lösungen für komplexe Sachverhalte und innovative Gesamtleistungen aus einer Hand ergänzten das Portfolio immer mehr und sorgten für starke, partnerschaftliche Kundenbeziehungen. Über 300 Mitarbeitende mit einer breiten Fachexpertise sorgen heute auf Basis dieses reichen Erfahrungsschatzes für innovative Ideen. Zeuge davon sind beispielsweise die beiden eigenentwickelten Bohr- LKWs, mit denen fast installationslos Felssicherungs- und Sprengarbeiten ausgeführt werden können. Hinfahren, bohren, Strasse wieder öffnen. Mit dem Hauptsitz auf dem Walchi-Areal bleibt das traditionelle Familienunternehmen dabei dem Wirtschaftsstandort Lungern fest verbunden. «Es ist unsere Aufgabe, den jungen Menschen aus der Region eine berufliche Perspektive zu bieten», halten Mira, Sebastian und Ambros Gasser fest – die Eigentümer aus der vierten Familiengeneration wollen den gemeinsamen Erfolgspfad konsequent weiterführen (Interview der Inhaberfamilie Gasser). Und damit die nächsten Kapitel einer wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte weiterschreiben.

Eigenentwicklung: Bohr-LKW II, 2018
Eigenentwicklung: Die beiden Bohr-LKWs, 2018

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