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Bauinventar: Eine Zeitreise

Die Historie unseres Inventars

Von Stani Niederberger

Unsere Firmengeschichte mit ihren vielfältigen Bauarbeiten ist auch eine Historie von Maschinen, Gerätschaften und Bautechniken. Mit den Aufgaben wuchsen die Mittel. Mit der Spezialisierung die Anforderungen. Mein Bericht zeigt die Entwicklungsgeschichte der technischen Hilfsmittel und Innovationen der letzten 100 Jahre.

Handarbeit und Hebelgesetz

Im frühen 20. Jahrhundert bestand Bauen vorwiegend aus körperlich anstrengender Handarbeit. Mechanisierte Hilfsmittel gab es wenige. In diesen Jahren wurde der Grundstein der heutigen Firma gelegt. Schon da wussten sich die Arbeiter mit innovativen Ideen zu helfen. Schwere Lasten wurden mithilfe von Arbeitstieren, mit Dreibeinböcken aus Holzstämmen und Flaschenzügen an den richtigen Ort gebracht. Da hat man auch die unglaublichen Möglichkeiten des Hebelgesetzes noch richtig einzusetzen gewusst. Bei den alljährlichen Wartungsarbeiten an den Uferverbauungen des Lungerersees für die CKW wurden grosse Steine mit der «Steischleipfi», einem hölzernen Tragegestell, transportiert und über Rinnen zur Einbaustelle an der Uferböschung gelassen. Unterhalb der Steine schlug man zur Stabilisierung und als Fundamentriegel Holzpfähle ein. Mithilfe eines grossen Dreibeins aus Holz und eines Stahlgewichts wurde durch jeweils sechs Arbeiter, welche das Gewicht – die sogenannte Katze – über Seilumlenkungen anhoben und auf den Pfahl fallen liessen, der Holzpfahl eingeschlagen. Die damals «Chatznä» genannte Bautechnik kann als Urahne der heutigen Pfahlgrundierung im Spezialtiefbau angesehen werden. Lasten wurden später mit den sogenannten Japanern – zweirädrigen, handgeführten Mulden – bewegt.

Skizze des «Chatznä» (l.) von 1976
Skizze des «Chatznä» (l.) von 1976

Die Mechanisierung nimmt Fahrt auf

In unserer Unternehmung wurde die Motorisierung im Jahr 1946 mit dem Kauf eines Jeeps aus amerikanischen Kriegsmaterialbeständen eingeläutet. Die paar Einschusslöcher störten nicht. Mit diesem Jeep wurde auch das Nummernschild OW 180 ins Familienerbe eingebracht, welches Karl Gasser jun. später an seinen Fahrzeugen führte und nun bei der vierten Generation Gasser unterwegs ist. Dieser Jeep hat die Arbeit im Gelände und den Lastentransport stark erleichtert. Bilder aus dieser Zeit zeigen, welche aussergewöhnlichen Ladungen damit verschoben wurden. Da wurde noch wenig über Strassenverkehrsgesetze und Ladungssicherung nachgedacht. Was irgendwie geladen und mitgenommen werden konnte, wurde damit geführt. Karl Gasser hat nicht schlecht gestaunt, als eine Fuhre versehentlich mit Sprengschnüren statt mit Hanfseilen aufgebunden wurde.

Die Historie unseres Inventars
Jeep OW 180 aus US-Kriegsmaterialbeständen, 1954

Im Jahr 1955 kam dann der erste hydraulische Trax mit 15 t Gewicht dazu, welcher als erstes vergleichbares Gerät im Kanton Obwalden für Aufsehen sorgte. Anfang der 1960er-Jahre konnte der erste Lastwagen, ein Volvo Zweiachser mit 3.5 m3 Ladevolumen, gebraucht gekauft werden. Die Eltern von Karl Gasser waren damals gegen den Kauf, weil kein Chauffeur und keine Lastwagengarage vorhanden waren. Für die Baustelle Loppertunnel wurde 1962 der erste Pneulader, ein Michigan 175, als Occasion beschafft. Bezahlt hat man den Michigan mit den Monatsmieten der ARGE Loppertunnel. Mit dem Restwert des Pneuladers wurde drei Jahre später der erste Bagger finanziert: Marke O + K, Typ RH4, 14 t-Gewichtsklasse. Ein Meilenstein für die Firma. In den Siebzigern konnten die ersten grossen Kompressoren Komeni 1 und 2 mit 22 m3/min Förderleistung gebraucht aus Dubai gekauft werden. Geliefert wurden sie per Schiff.

Auf dem Weg zur Spezialisierung

Die Historie unseres Inventars
Erstes Bohrgerät Montabert, gekauft 1986

Die 1980er-Jahre brachten frische Arbeitsmittel ins Büro: Eine IBM-Kugelkopfschreibmaschine wurde angeschafft und die ersten Natel B in der Bauführung zur Kommunikation eingesetzt. 1986 kaufte die Firma Gasser ihr erstes Bohrgerät, Hersteller war Montabert. Die Aufträge im Bereich Felsabbau mehrten sich und die 1990er-Jahre brachten Bewegung in das Geschäft mit dem Untertagebau: Ein hydraulischer, einarmiger Bohrwagen Tamrock 102 und ein Fahrlader Schopf L72 wurden für den Kleinprofil-Tunnelbau angeschafft. Auf der Tunnelbaustelle Wässerwasser Mund wurde ein luftbetriebener Wurfschaufellader Eimco eingesetzt, welcher das Schuttermaterial mit atemberaubendem Getöse der ausströmenden Luft über Kopf nach hinten in den Dumper oder die Mulde geschleudert hat. 1997 folgte eine wegweisende Beschaffung: Die Alimak Aufbruchbühne aus Schweden. Damit konnte Gasser neu auch Schächte im Sprengvortrieb von unten nach oben auffahren. Das robuste System wurde das erste Mal in Sedrun am Schachtkopf für Installationsschächte eingesetzt. Diese Ausrüstung wird auch heute noch vereinzelt für Schrägschächte bei Wasserkraftwerken eingesetzt. Um die Jahrtausendwende verstärkten ein dreiarmiger Bohrwagen Atlas Copco L2C, ein grösseres Spritzmobil AL500 für die Auskleidung mit Spritzbeton sowie Fahrlader von Paus und Tamrock für die Schutterarbeiten die Tunnelbauflotte.

Schub für Investition und Innovation

In den frühen 2000er-Jahren haben verschiedene Grossaufträge einen regelrechten Investitionsschub ermöglicht. Ältere Gerätschaften wurden erneuert und viele Maschinen sind dazugekommen. Für den Untertag zusätzlich ein- und zweiarmige Tunnelbohrwagen, die Alimak Seilwinden, Tunnellademaschinen von Schaeff, Terex – später dann ITC. Mit zwei Partnern wurde 2009 die Beton-Anlage Brienz mit einer Betonanlage von Liebherr in Betrieb genommen. Zusammen mit der Société Suisse des Explosifs (SSE) aus Brig setzte man für Emulsionssprengstoffe auf einen Pump Truck, der die Sprengstoffe vor Ort mischt und in die Sprenglöcher einbringt. Die Tunnelbauprojekte Erschliessung Handeck-Gerstenegg und das Folgeprojekt Handeck 2 hoben das Investitionsbudget weiter an.

Die eigenen Innovationen werden wir weiter vorantreiben.

Stani Niederberger

In der Felssicherung wurde die grosse Lopperwand gesichert – und dabei das erste Mal ein offiziell personentransportfähiger Hochbaukran in der Felswand aufgebaut und dafür nachgerüstet. In diese Lösung floss auch einiges an Know-how aus dem Hause Gasser ein. Später wurde das System durch den Importeur für diesen Einsatz mit Personen zertifiziert. 2014 nahmen wir den Bohr-LKW als Eigenentwicklung und Schlüsselgerät für die Felssicherung in Betrieb, 2018 folgte die Weiterentwicklung mit dem Bohr-LKW II. Die gesamte Bohrgeräteflotte erlebte zwischen 2010 und 2020 eine umfassende Aufwertung: Moderne und leistungsfähige Geräte ersetzten bestehende und die Flotte wurde für die verschiedenen Anwendungen in der wachsenden Abteilung Spezialtiefbau verbreitert. Die Spezialisierung der Firma lebt von der Investitionsbereitschaft der Inhaber und dem Antrieb der Mitarbeitenden, immer auf dem neusten Stand der Technik zu sein und die eigenen Innovationen weiter voranzutreiben.

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