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Macher und Patrons

Die Lemäkaris

Von Thomas Gasser

Lemäkari, mein Grossvater, legte im Jahr 1922 den Grundstein. Mit einem persönlich geprägten Essay der Firmengeschichte versuche ich, die Menschen, die als Firmeninhaber während der letzten 100 Jahre gewirkt haben, näherzubringen.

Tief verwurzelt

Im Jubiläumsjahr 2022 bin ich 65 Jahre alt. Die vierte Generation ist seit dem Jubiläumsjahr strategisch (im Verwaltungsrat) und teilweise operativ in der Firma tätig. Ich habe keine offiziellen Mandate mehr in der Firma. Meine Unterstützung sind Kundenkontakte, Erfahrungsaustausch und die Anlaufstelle bei Fragen. Mit Freude verfolge ich den Einsatz meiner Kinder, des Kaders und aller Mitarbeitenden. Wir waren, sind und bleiben eine 100 %-Familien-AG. Bindeglied aller Generationen ist das Dorf Lungern mit seinem See. Hier sind wir alle aufgewachsen und wurden durch die Schulen, die Arbeit, die Natur und das Vereinsleben geprägt. Grossvater Lemäkari war im Gemeinderat, in der Feldmusik und im Männerchor. Vater Carlo (Karl) brachte es auf über 100 Jahre Präsidien in verschiedenen Organisationen und Vereinen. Auch bei mir sind einige Vereinsmandate Geschichte. Die vierte Generation ist wiederum in der Politik und im Vereinsleben aktiv. Öffentlichkeitsarbeit und Geselligkeit gehören zu unserer DNA.

Die Lemäkaris
Karl sen. und Marie Gasser-Meier mit Karl jun. (l.), Rosmarie (l.) und Josef André (r.)

Hierarchie ein Fremdwort

Meine Grosseltern väterlicherseits waren in der Primarschulzeit teilweise mein zweites Zuhause im Dörfli Obsee. Beim Grossvater mütterlicherseits, Lehrer Hans, gingen mein Vater, mein Bruder und ich zur Schule. Dass beide Grosseltern immer in Lungern wohnten und beide auch Gasser hiessen, erklärt den Familiennamen Gasser-Gasser. Bleibende Erinnerungen an meinen Grossvater beziehen sich unter anderem auf seine Freude am Bauen mit Natursteinen, das strukturierte Erstellen von Holzbeigen oder das Jassen. Er lehrte mich Autofahren, führte mich in den Geschmack von Appenzeller und Kaffee «Chriiter» ein. Seine Fachkompetenz verbunden mit Geselligkeit und Gutmütigkeit waren seine wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren. Damit verbunden war eine Grosszügigkeit zu den Mitarbeitenden. Hierarchie war ihm ein Fremdwort. Die Seeverbauungen waren etwas vom Schönsten für ihn. Schon da betrieb die Firma eine Kombination von Spezialtiefbau und Natursteinarbeiten. Aber auch Sprengarbeiten im Unter- und Übertag wurden ausgeführt. Als Grossvater 1956 die Geschäftsleitung an meinen Vater übergab, blieb er weiter aktiv. Bleibende Erinnerungen sind sein persönliches Verteilen der gelben Zahltagsbriefe, das Kochen am Mittag auf Baustellen, verbunden natürlich mit einem Jass. Seine Frau Maria hatte die Finanzen unter sich und war eine begabte Köchin. Das führte auch zu einigen Kantine-Einsätzen auf den Baustellen.

Die Lemäkaris
Lohnstreifen, 1964

Zwei Offerten und fünf Hechte

Mein Vater absolvierte nach der Maurerlehre noch die Ausbildung zum Maurermeister. Er musste als 20-Jähriger über ein Jahr nach Davos zur Kur. Die Kur war erfolgreich, dieser Vorfall beeinflusste seine Gesundheit aber immer wieder. Im Jahr 1956 heiratete er Mutter Elsbeth und übernahm die Geschäftsleitung. 1963 zogen wir vom Dorf auf die Sandfurre, neben dem Werkhof am See. Mit den Geschwistern Patrick, Andrea und Isabel wuchs ich inmitten des Zentrums einer Bauunternehmung auf. Mein Schlafzimmer lag in acht Metern Distanz zum Sprengstofflager, die Werkstatt wurde zum Spielplatz und die Kontakte zu Mitarbeitenden und Maschinen gehörten zu meinem Alltag. Freuden und Leiden eines Bauunternehmers lehrte ich da aus der Praxis. Eine bleibende Aussage meines Vaters war, dass man als Dorfbaumeister einen beschränkten Offertradius hat, also die Arbeit hauptsächlich im Dorf holen muss. Damit sind kritische Auslastungen vorbestimmt. Das führte wohl auch zu seinen Aktivitäten im Verbandswesen. Die dadurch entstandenen Kontakte ermöglichten die ARGE-Beteiligungen im Tunnelbau.

1982 gründete Vater Carlo (so nannte ihn meine Mutter) die Spezialabteilung Felsabbau, und mit der Sicherheitssprengung Balmgütsch begann die Spezialisierung. Mutter Elsbeth führte über Jahre die Buchhaltung. Diese Doppelbelastung wirkte sich auch auf das Familienleben aus. Sie lebte den Kontakt zu den Frauen der Mitarbeitenden. Geburten, Hochzeiten und runde Geburtstage hatten ihre Handschrift. Durch ihre Initiative wurde das Firmenabendgeschenk an die Frauen unserer Mitarbeitenden zu einer schönen Tradition. Fehlte Arbeit oder war die Liquidität knapp, wurden diese Probleme auch zum Thema am Familientisch. Kam dann überraschend unter der Woche plötzlich eine grosse Portion Schweinsschnitzel auf den Tisch, wurde der neue Auftrag auch mit uns gefeiert. Familie, Freizeit und Firma waren immer eng verbunden. Das belegt auch die Aussage meines Vaters, wie er ein Wochenende erlebte: Er habe zwei Offerten gerechnet, fünf Hechte gefangen und sei auch noch am Brünig Schwinget gewesen. Meine Eltern wurden auch herzliche Grosseltern – so entdeckte ich eine bis dahin verborgene Seite meines Vaters.

Elsbeth und Karl jun. Gasser mit ihren vier Kindern

Werte sind Erfolgsfaktoren

1992 übernahm ich die Geschäftsleitung und die Firma in einvernehmlicher Regelung mit meinen Geschwistern. Die berufliche Ausbildung erfolgte bei verschiedensten Firmen und so kam die erste berufliche Erfahrung. Mit der Unterstützung vom Vater wurde die Spezialisierung aktiv umgesetzt. Die unternehmerischen und menschlichen Werte, die mir mein Grossvater und mein Vater dafür mitgegeben haben, sind wichtige Erfolgsfaktoren: Qualität, Sicherheit, Fairness, Gesundheit und offene Kommunikation gegen innen (Mitarbeitende) und aussen (Kunden). Wenn die Firmenkultur zusätzlich auf dem Grundsatz basiert, dass die Mitarbeitenden das wichtigste Kapital sind, ist eine motivierte Belegschaft bereit, aussergewöhnliche Leistungen zu erbringen. Den Beleg zu dieser Aussage liefert die Firmenentwicklung der letzten 100 Jahre.

Innovation ist der Motor für die wirtschaftliche Zukunft.

Thomas Gasser

Lisa wurde 1982 meine Frau und unsere Kinder Mira, Sebastian und Ambros bereicherten bald die Familie. Lisa übernahm mit viel Engagement unser traditionelles Firmenabendgeschenk und besucht bis heute in der Weihnachtszeit Frauen von pensionierten Mitarbeitenden. Persönlicher Einsatz bis an die Grenze des Verträglichen waren aus meiner Sicht nicht zu umgehen. Wöchentlich sechs Arbeitstage mit Arbeitszeiten von 6 Uhr bis 20 Uhr belasteten Familie und Beziehung. Daraus muss man in Zukunft verträgliche Schlüsse ziehen, denn nur so wird es erfolgreiche Familienunternehmungen weiterhin geben. Mit der Übernahme der Geschäftsführung in den operativen Kernkompetenzen durch Matthias von Ah wurde im Jahr 2012 ein erster Schritt in der Nachfolgeplanung umgesetzt. Das erste Mal führte kein Familienmitglied die Firma operativ. 2017 wurde die zweite Phase der Nachfolgeregelung umgesetzt und meine drei Kinder Mira, Sebastian und Ambros übernahmen die Aktien der Gasser Felstechnik AG zu 100 %. Die Geschäftsführung wird von Matthias von Ah als CEO weitergeführt.

Leistungsbereit in die Zukunft

2022, im Jubiläumsjahr, ist die dritte Phase der Nachfolgeregelung eingeleitet worden. Alle Kinder haben nun Einsitz im Verwaltungsrat der Gasser Felstechnik AG. Sie verfügen alle über einen ausbildungstechnischen Rucksack für das Baugewerbe und sind teilweise im operativen Geschäft eingebunden. Meine Kinder, der CEO und der Verwaltungsrat setzen die Gasser-Firmenkultur aktiv und überzeugt um. Die lange Positionierung im Schweizer Baumarkt zeugt davon, dass unsere Strategie zur Spezialisierung stimmt. 2022 dürfen wir unser 100-jähriges Bestehen feiern. Wir feiern es hauptsächlich mit unseren Mitarbeitenden. Sie waren und sind bereit, zu leisten, Risiken zu akzeptieren und ihre Fachkompetenz einzubringen. Dafür muss der Unternehmer, oder bei uns die Familie Gasser, Sicherheit schaffen und Verantwortung tragen. Innovation ist der Motor für die wirtschaftliche Zukunft. Das heisst auch, finanzielle Risiken zu tragen und der Arbeitssicherheit alles unterzuordnen. Das Modell einer Familienunternehmung mit drei Besitzern, die im Verwaltungsrat Verantwortung tragen und sich zusätzlich operativ einbringen, hat Zukunft. Lebt ein Familienunternehmen eine klare, faire und grosszügige Firmenkultur, ist der Erfolg umso grösser. Die Leistungsbereitschaft bleibt aber immer der zentrale Punkt. Auch mein Grossvater war stolz und freute sich, wenn am Abend das Tageswerk die Kalkulationsvorgaben übertraf. Trotz Jass.

Die Inhaberfamilie Gasser
Verwaltungsrat und Geschäftsleitung

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