Hasliberg, Reuti (BE)
Steiles Gelände, komplexe Geologie und anspruchsvolle Bauabläufe prägen den Neubau der Alpbachbrücke zwischen Hasliberg Goldern und Reuti. Die neue Brücke spannt sich künftig in rund 40 m Höhe über eine Länge von 150 m über den Alpbach
Die bestehende Brücke sowie die anschliessenden Lehnviadukte weisen statische Defizite auf. Hoher Unterhaltsaufwand sowie ein rutschender Hang im Alpbachtobel beeinträchtigen zusätzlich die Standsicherheit. Der Ersatzneubau erfolgt daher mit optimierter Linienführung. Realisiert wird das Projekt durch die ARGE Komplett, bestehend aus Gebr. Brun AG als ausgewiesenem Brückenbauspezialisten, SPAG Schnyder Plüss AG im Tiefbau sowie der Gasser Felstechnik AG als Spezialistin für Felstechnik und Spezialtiefbau. Die Gesamtinvestition beträgt rund 16 Mio. CHF. Gasser Felstechnik AG verantwortet die Hauptinstallationen sowie sämtliche geotechnischen Arbeiten.


Baustart und Installationen
Mit Baustart am 4. August 2025 begannen die Installationen auf der Westseite. Baupisten, Installationsplätze, Werkleitungen und ein Barackendorf wurden erstellt. Insgesamt kamen über 2’000 m3 Schüttmaterial zum Einsatz.
Zentrales Element der Installation ist ein Turmdrehkran mit 75.2 m Hakenhöhe und 70 m Radius. Aufgrund der exponierten Lage wurde er auf einem Halbportal gegründet und mit GEWI-Ankern (L = 20 m) tief im Untergrund verankert.


Voreinschnitte Pfeiler
Für die Erstellung der beiden Pfeilerfundationen waren beidseitig Voreinschnitte in den steilen Uferböschungen des Alpbachs erforderlich. Diese Arbeiten stellten insbesondere im vierten Quartal 2025 hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Zur ersten Hangsicherung wurden im Pilgerschrittverfahren Ankerblöcke mit Ortbetonplomben hergestellt. Diese sind jeweils mit zwei bis drei Litzenankern (L = 25 m) rück verankert und gewährleisteten die temporäre Stabilität für die Herstellung des Bohrplanums. Anschliessend erfolgte der Einbau rückverankerter Rühlwände mit HEM 140-Trägern bis 10 m Länge und Litzen ankern von 25 m Länge. Damit konnten die Baugrubenbereiche für die gesamte Bauzeit gesichert und die Voraussetzungen für den Schachtbau geschaffen werden.



Schichtwasser und temporäre Wasserhaltung
Während der Bohrarbeiten für Litzenanker und Rühlwandträger trat wiederholt Schichtwasser entlang feiner Schieferschichten zutage. In Kombination mit zusätzlichen Wasserzuflüssen aus dem Alpbach machte dies eine temporäre Wasserhaltung erforderlich. Rund um die geplanten Schachtaushübe wurden pro Baugrube acht 4.5″-Filterbrunnen bis 5 m unter die jeweilige Sohlentiefe abgeteuft. Zu Beginn der Aushubarbeiten wurden jeweils vier Brunnen mit Stabpumpen und automatisierter Steuerung ausgerüstet. Nach kurzer Einregulierung konnte auf beiden Seiten die gewünschte Grundwasserabsenkung zuverlässig erreicht werden. Das Minifilterbrunnensystem erwies sich dabei als technisch und wirtschaftlich überzeugende Lösung.
«Der Elan des motivierten Gasser-Teams, die Freude am Bauen sowie das vorausschauende Handeln haben die positive Atmosphäre auf der Baustelle geprägt und wesentlich zu den bisher erzielten Erfolgen beigetragen.»
MIRIAM SCHMID, Bauherrenvertreterin
Meilenstein: Abschluss der Voreinschnitte
Am 16. Dezember 2025 konnte die Fertigstellung der Voreinschnitte als bedeutender Meilenstein gefeiert werden. Vertreter des Kantons Bern als Bauherr, der Ingenieurgemeinschaft Alpbachbrücke, der Gemeinde Hasliberg, der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg sowie der ARGE-Partner nahmen am symbolischen Baustart für den Schachtbau teil. Der Anlass unterstrich die enge Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten.

Schachtbau für die Pfeilerfundationen
Bereits am 5. Januar 2026 starteten die Aushubarbeiten für die beiden elliptischen Schächte der Pfeilerfundationen. Die Schächte weisen Achsabmessungen von 6 × 7.50 m auf und erreichen Tiefen von 14.5 m bzw. 11.5 m.
Im Zweischichtbetrieb wurde täglich ein Abschlag von rund 1.05 m erstellt. Der Aushub im Schiefer erfolgte mit 2.5 – 3.5 t-Baggern. Der Materialabtransport wurde mittels 1.5 m3-Kranmulden organisiert.
Nach jeder Aushubetappe wurde ein Trägerbogen HEB 160 in sechs Segmenten eingebaut. Die Zwischenfelder wurden mit K335-Netzen armiert und mittels Spritzbeton gesichert. Nach Erreichen der Endtiefe folgten die Bewehrungsarbeiten und das Verfüllen mit Tiefbaubeton NPK D. Die Schächte fungieren nun als massive Pfahlfundationen für die Brückenpfeiler.



Minipfähle in Ortbeton
Für die Fundation der Widerlager kommen Ortbeton-Minipfähle mit einem Durchmesser von 400 mm zum Einsatz. Aufgrund der anspruchsvollen Topografie und der eingeschränkten Zufahrtsmöglichkeiten wurde auf Grossbohrpfähle verzichtet.
Die Herstellung erfolgt mit einem bewährten Kleinbohrgerät von Comacchio und einem verrohrten Bohrsystem ø 406 mm. Die Pfähle werden trotz des kompakten Geräteeinsatzes als vollwertige Ortbetonpfähle mit Bewehrungskorb ausgeführt. Damit entsteht eine technisch bewährte und zugleich logistisch optimal angepasste Gründungslösung.



Ausblick
Nach Abschluss der intensiven geotechnischen Arbeiten im Tobelbereich sowie am Widerlager West übergibt das Spezialtiefbau-Team das westliche Baufeld an den ARGE-Partner für die Erstellung des Brückenüberbaus. Im weiteren Jahresverlauf stehen für die Gasser Felstechnik AG die Installationen auf der Ostseite sowie die Erstellung der Baugrube und die Pfählung des östlichen Widerlagers an. Nach Fertigstellung des Brückenbaus werden im Jahr 2027 die abschliessenden Erdarbeiten ausgeführt. Dazu gehören die Hinterfüllungen bei Pfeilern und Widerlagern, der Rückbau der Installationen sowie die fachgerechte Rekultivierung der beanspruchten Flächen. Der Neubau der Alpbachbrücke zeigt exemplarisch, wie durch abgestimmte Planung, präzise Ausführung und interdisziplinäre Zusammenarbeit auch unter anspruchsvollen geotechnischen Rahmenbedingungen nachhaltige Infrastrukturbauwerke erfolgreich realisiert werden können.



Simon Aeppli