Kernmattbach, Kerns (OW)
Im Rahmen des kantonalen Gesamtprojekts «Hochwassersicherheit Sarneraatal» wird im Gebiet von Sarnen (OW) das Teilprojekt Kernmattbach umgesetzt. Der Ausbau des Kernmattbachs inklusive der Anbindung an den neuen Hochwasserentlastungsstollen Ost (HWE-Stollen) hat zum Ziel, das stark hochwassergefährdete Industriegebiet Kägiswil nachhaltig zu schützen und gleichzeitig zur übergeordneten Entlastung des Sarnersees beizutragen.
Der Kernmattbach stellt im Hochwasserfall ein erhebliches Risiko für die unterhalb gelegene Industriezone Kägiswil dar. Im Rahmen des Projekts wird der Bach oberhalb der Industriezone gefasst und kontrolliert über ein Ausleitbauwerk sowie einen Wirbelfallschacht in den HWE-Stollen geleitet. Dadurch lässt sich der Abfluss gezielt regulieren und das Siedlungs- und Gewerbegebiet wirksam vor Überflutungen schützen.
Die Ausführung erfolgt unter der Leitung der ARGE Senkrecht, bestehend aus den Unternehmen Gasser Felstechnik AG, PK Bau AG, Gebr. Brun AG und SPAG Schnyder Plüss AG.
Ablauf und Organisation
Der Bau ist für den Zeitraum von Juli 2024 bis April 2027 vorgesehen. Die Umsetzung erfolgt etappenweise und unter anspruchsvollen logistischen Bedingungen. Nach dem Baustart im Juli 2024 wurde zunächst die Baugrube durch die Spezialtiefbauabteilung erstellt und gesichert. Im März 2025 übernahm die Abteilung Untertag die Baugrube, führte die letzten Ausbruchsmeter aus und begann mit den Installationsarbeiten für den anstehenden Schachtvortrieb.




Wirbelfallschacht
Anfang April 2025 startete der eigentliche Vortrieb des rund 80 m tiefen Wirbelfallschachts, der bis Anfang August erfolgreich bis zur Endtiefe abgeteuft werden konnte. Der Ausbruch erfolgte grösstenteils im Sprengvortrieb. Nach dem Bohren und Laden der Sprenglöcher wurde der Abschlag mit Sprengmatten abgedeckt, bevor die Mineure den Schacht verliessen und die Sprengung ausgelöst wurde. Anschliessend erfolgten die Bewetterung, das Abheben der Sprengmatten, das Schuttern des Ausbruchsmaterials sowie die Sicherung des Schachtprofils.

Ein präzise abgestimmter Arbeitsablauf ermöglichte im Durchschnitt fünf Abschläge pro Woche und damit einen Abschlag pro Arbeitstag. Im oberen Schachtbereich kamen Stahlprofile und Anker mit bewehrter Spritzbetonausfachung zum Einsatz, während im unteren Abschnitt Gitterbögen zur Anwendung gelangten. Die geologischen Bedingungen entsprachen den Annahmen: oberhalb Lockergestein und ab etwa 20 – 25 m Tiefe kompakter, standfester Fels.


«Die Zusammenarbeit mit der Gasser Felstechnik AG
SEPP BERCHTOLD, Projektleiter
ist sehr angenehm. Sie überzeugen durch Innovationskraft,
lösungsorientiertes und pragmatisches Arbeiten.
Als Bauherr fühlt man sich ernst genommen und
bestens betreut.»
Verbindungsstollen
Am Schachtfuss angelangt, wurde ein rund 20 m langer Verbindungsstollen in Richtung des bestehenden Hochwasserentlastungsstollens Ost vorgetrieben. Der Durchschlag erfolgte planmässig am 26. September 2025. Nach Abschluss des Vortriebs, inklusive Aufweitungen im Übergangsbereich, begannen die Ausbauarbeiten. Der Verbindungsstollen erhielt eine Spritzbetonverkleidung, parallel starteten die Vorbereitungen für den Innenausbau des Schachts.

Sicherheit und Logistik
Der Arbeitssicherheit wird während der gesamten Bauzeit höchste Priorität beigemessen. Die engen Platzverhältnisse und der geringe Schachtdurchmesser bei einer Tiefe von fast 80 m stellen besondere Anforderungen an die Logistik und Koordination.
Für den Personentransport wurde eine hausintern entwickelte Windenanlage eingesetzt, die speziell auf die Bedürfnisse des Projekts abgestimmt wurde. Der Verschiebebock ermöglicht ein Ein- und Ausfahren des Personenkorbs ohne Einschränkung des Schachtquerschnitts und sorgt so für einen sicheren und effizienten Betrieb. Für das Schuttern des Ausbruchsmaterials kommt ein Turmdrehkran mit hoher Traglast zum Einsatz. Der vom Kranführer bediente Zweischalengreifer fördert das Material zum Schachtkopf, von wo es mittels Pneulader weiter zum Zwischenlagerplatz transportiert wird. Durch den Einsatz moderner Technik konnte die Effizienz des Schutterprozesses, eines entscheidenden Faktors für die Produktivität, deutlich gesteigert werden.

Zusammen ans Ziel
Das Betriebszentrum unterstützte das Baustellenteam während des gesamten Projekts zuverlässig und engagiert. Vor Ort überzeugte das Team durch hohen Einsatz, Flexibilität und Fachkompetenz. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit innerhalb der ARGE sowie mit Planern und Bauherrschaft trug wesentlich zum reibungslosen und erfolgreichen Projektverlauf bei.

Ausblick
Der Innenausbau des Vertikalschachts erfolgt mittels Gleitschalung, deren Installation im November 2025 begonnen hat. Die Innenverkleidung sowie die anschliessende Deinstallation sind bis Ende Januar 2026 vorgesehen. Die sorgfältig koordinierten Arbeitsschritte sichern einen reibungslosen Baufortschritt und die termingerechte Übergabe an die ARGE-Partner und markieren damit einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Fertigstellung des Gesamtprojekts bis April 2027.
Leistungen Schacht- und Stollenvortrieb
Bauzeit März 2025 – Januar 2026
Auftraggeber Gemeinde Sarnen
Christian Rüdlin